Mittagspause am grossen Steintisch im wunderschönen Garten hinter meinem Elternhaus. Mama und Papa leben in einem kleinen, uralten Turm mitten im Dorf und erreichen ihre Wohnung über viele Treppenstufen. Dinge hoch und hinunter zu transportieren wäre sehr anstrengend – wenn die beiden nicht schon vor vielen Jahren ihren «Lift» erfunden hätten. Statt die Sachen zu tragen, steckt man sie ganz einfach in den Transportkorb, der dann nach Belieben hochgezogen oder hinuntergelassen wird.
Die Rebblüte setzt je nach Witterung 45 bis 90 Tage nach dem Austrieb der Pflanzen ein. Die Rebe ist ein Zwitterblütler, das heisst, sie enthält sowohl männliche als auch weibliche Blütenstände und bestäubt sich selber. Das ideale Wetter für diese Vegetationsphase wäre feuchtwarm: Kühle Tage und Nächte verlangsamen den Blütenverlauf und führen unter Umständen zu Verieselungsschäden. Aber auch zu heisses und zu trockenes Wetter sind nicht gut für die Selbstbestäubung.
Ungefähr achtmal, etwa alle 10 bis 12 Tage, muss ich jetzt meine Reben spritzen. Ich wandere durch die Rebberge; wenn die Sonne scheint, komme ich ordentlich ins Schwitzen: Die Temperaturen können schon extrem werden. Meine Schirmmütze schützt meinen Kopf – vor allem in der Mittagszeit –, das Kurzarm-Karohemd reflektiert die Hitze. Nicht selten wünsche ich mir, dass doch meine Rebberge im Wallis liegen würden … und ich zum Spritzen wie die Winzer dort einfach mit den Helikopter darüber rauschen könnte.
Der Regen kommt gerade recht. Der Bach führt zwar noch Wasser, aber so ein kleiner "Zustupf" wird ihm guttun. Ich kann fast fühlen, wie die Natur die Feuchtigkeit aufsaugt; auch die Reben freuen sich über den Regen. Für meine Arbeit im Freien trage ich bei diesem Wetter mein Ölzeug. Seit Jahren bewährt hat sich hier das klasische, gelbe aus Platik - es ist reissfest und robust. 
Der Rebsaft macht die Fruchtruten geschmeidig, sie brechen jetzt nicht mehr so leicht. Nun ist es Zeit, sie zu biegen und am Drahtrahmen festzubinden. Wir nennen diese Arbeit Palisage. Unterhalb der Biegestelle der Rute staut sich der Saft - das hat zur Folge, dass alle Knospen gleichmässig versorgt werden. Würden wir die Rebe einfach senkrecht in die Höhe wachsen lassen, würde der Rebensaft direkt in die Höhe der oberen Knospen schiessen, die unteren wären schlechter versorgt. 
Die abgefüllten Weinflaschen kommen ins Weinlager. Hier reifen sie bei kühlen Temperaturen noch mindestens sechs Wochen und erholen sich vom Abfüllstress. Wein sollte lichtgeschützt, bei mässigen, konstanten Temperaturen («Kellertemperatur», zwischen 12 und 17 Grad). Die Flaschen sollten liegen, damit der Korken feucht bleibt: Ein austrocknender Korken wird mit der Zeit luftdurchlässig.

Der kleine Jean-Luc hilft mir im Rebberg, wenn er am Nachmittag keine Schule hat. «Papa», fragt er heute, «weshalb benützt du eigentlich diese uralte Rebschere? Mit der automatischen geht es doch viel schneller!» 

Der Kleine hat recht. Die Arbeit mit der automatischen Schere braucht viel weniger Kraft, wir kriegen keine Blasen und Krämpfe mehr in den Händen, und der berüchtigte Tennisellenbogen, der mich früher zuweilen plagte, bleibt auch aus. Aber aus Tradition und weil es eine schöne Abwechslung ist, arbeite ich zwischendurch ganz gerne mit der «manuellen» Rebschere.  

Jetzt steht die zweite Filtrierung bevor. Die abgestorbenen Hefen sind auf den Boden der Tanks gesunken, nun werden sie vom Wein getrennt. Dazu pumpe ich den Wein aus dem Tank und fülle ihn in einen nächsten.

Aus der zurückgebliebenen Hefe könnte man übrigens jetzt weitere Produkte herstellen. Bekannt sind hier Branntweine, auch Eau de vie de lie (lie=Hefe) genannt. Der filtrierte Wein ist nicht mehr trüb … und bereit zur Degustation!  

Wenn es regnet, bleibt nicht nur die Katze hinter dem Ofen, sondern auch ich gerne mal im Haus. Zu tun habe ich auch hier, und ich werde dabei von meinem Vater unterstützt. Der hat unser Unternehmen geführt, bis ich es vor zehn Jahren übernommen habe.

An Tagen wie diesem ist es schön, gemeinsam im warmen Büro zu sitzen. Papa erzählt gerne und oft von früher, wie er dieses Stück Rebberg schliesslich doch noch ergattert hat oder jene Reben in einem Jahr vollständig ersetzt … manch eine Geschichte höre ich natürlich nicht zum ersten Mal – und werde sie auch nicht zum letzten Mal gehört haben.        

Im Keller gibt es im Moment nicht viel zu tun. Der Wein ruht nach der ersten Filtration in den Tanks, nachdem der Gärprozess Anfang Dezember gestoppt hat. In ein paar Wochen wird der Wein von der Hefe getrennt.

Die Arbeiten im Freien werden vom Wetter bestimmt. Apropos: Gerade warm ist es im Moment nicht. Meine Arbeitskleidung für draussen passt sich im Winter variabel der Witterung an – mit bis zu vier Wollpullis übereinander, Lederhandschuhen und Wollmütze.

Eine hartnäckige Erkältung plagt mich: Verstopfte Nase, Niesattacken, rauer Hals. Nicht nur mich hat es erwischt – die ganze Familie leidet. Keiner von uns kann nachts gut schlafen, und wir alle sind tagsüber dementsprechend erledigt. 


Ein fieser Virus sei unterwegs, sagt man, und so weiss jeder ein gut gemeintes Rezept, von Zwiebel-Wadenwickel über Hühnersuppe bis zu heissem Whisky… Ich glaube, man kann machen, was man will. Mit Medikamenten dauert eine Erkältung eine Woche, wenn man nichts dagegen tut sieben Tage. Hoffen wir, dass wir an den Festtagen wieder fit sind und diese geniessen können. 

Santé – auf ein glückliches neues Jahr!

Die Festtage waren schön, aber auch anstrengend: Die ganze Familie – meine Eltern, meine Brüder mit Frauen und Kindern und meine Frau und ich mit den Jungs – hat sich an Silvester getroffen, um gemeinsam das alte Jahr zu verabschieden … und ins 2014 zu feiern. Jeder hatte eine Aufgabe in der Küche – das Filet im Teig, die Salate, den Kuchen fürs Dessert –und natürlich haben wir mit unserem Wein angestossen. Das ist Tradition – es soll Glück und vor allem ein gutes Weinjahr bringen.

Wyhus Belp AG • Sägetstrasse 33 • CH-3123 Belp-Bern • Telefon +41 (0)31 810 41 41 • Fax +41 (0)31 810 41 42 • info@wyhusbelp.ch
Laden-Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 09.00 - 12.00 / 13.30 - 18.30 Uhr und Samstag 09.00 - 16.00 Uhr